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Mea culpa

Auf den Kontrollverlust folgt der dumpfe Aufprall, die Erschütterung durch Mark und Bein, 
die Lähmung des Körpers und die mantraartige Wiederholung deiner letzten Gedanken. Immer und immer wieder. 

Ich hab uns an die Wand gefahren.

Deine Träume, deine Sehnsüchte, deine Pläne und unsere Zukunft liegen nun auf grauem Asphalt. In tausende von Teilen zersprungen und auf der Straße verteilt. 
Jeder Splitter jede Scherbe grinsen mich an, hämisch und voller Genugtuung. Die Sonne spiegelt sich in ihnen und wirft blitzartige Strahlen zurück, 
die mir in den verquollenen Augen brennen. 

Noch immer erstarrt, warte ich auf den ersten Atemzug, der meine Lungen wieder mit Sauerstoff füllt,
das Blut welches wieder beginnt warm und kraftvoll in meinen Adern zu zirkulieren, den pulsierenden Herzschlag in meiner Brust, 
den einsetzenden Schmerz und endlich die Gewissheit zu leben. 

Doch alles was ich spüre ist Schuld.

Drei Kreuze XXX

x Starke Erschöpfung

Ich sitze über den Unterlagen, mit denen ich  das Ausmaß meiner Hoffnungslosigkeit da legen soll. Um in eine Kategorie, ein Muster zu passen. 
Eines was hilft mich zu verstehen. Der stumpfe Bleistift zeichnet ein paar scharfe Kreuze in die vorgegebenen Kästchen.

x Vergesslichkeit

Ich vergesse, ständig und viel. Wenn mir Bekante von damals gemeinsam Erlebtes schildern oder meine Freundin sich bedankt für meine Worte, 
die ihr weiter geholfen haben, klingen sie fremd und ausgedacht. Ich erinnere mich nicht. Nicht an sie, nicht an die Situation, nicht an meine Kindheit, 
nicht daran, dass ich an der Kasse nach gelben Säcken fragen wollte. Ich vergesse Termine, Verabredungen und Geburtstage, Namen und Zusammenhänge.
Ich vergesse mich. Mich zu entschuldigen mich nach dem Befinden anderer zu erkundigen, mich nicht immer wieder in diese Lage zu bringen.

Denn niemals niemals vergesse ich dich. Nicht wie du riechst oder schmeckst oder wie dein Zahn hervor lugt, wenn du den Mund nicht ganz schließt. 
Nicht wie es sich anfühlt wenn du mir zuzwinkerst und mir alberne Kosenamen gibst. Ich vergesse keine dieser Albernheiten. 
Nicht den Windhauch der durch dein Haar strich als wir uns zuletzt sahen. Ich vergesse niemals das Gefühl wie es war, als ich noch alles für dich gewesen bin. 
Nicht dein Worte zum Abschied "Ich bin weder dein Problem, noch deine Lösung." Ich vergesse keine deiner Gesten, deiner Eigenarten, deiner Unarten. 
Ich vergesse weder die Heldentaten noch den Schmerz, den du über mich brachtest. Er brennt und sticht wie frisch vernäht. Ich vergesse nicht die Tiefe die uns verbindet und die niemand je erreichen wird. Ich vergesse keinen Tag, keinen Moment in dem wir uns küssten.
Und ich kann einfach nicht vergessen dich zu lieben.

x Niedergeschlagenheit